Kreuztal schafft Lebens- und Wohnraum für Insekten – Umsetzung des Konzepts für die Förderung der Insektenvielfalt ist angelaufen

Dienstag, 23.04.2019

Der alarmierende Rückgang der Insekten – 75 % in den letzten 27 Jahren; die Hälfte der Insektenarten ist gefährdet oder bereits ausgestorben – ist auf eine Reihe von Ursachen zurückzuführen. 

Wildblumenwiese

Wildblumenwiese

Hierzu gehören die extensive Landnutzung mit intensiver Landwirtschaft, die massive Verwendung von Herbiziden und Insektiziden und auch die Versiegelung von Flächen sowie der Klimawandel.

Im Herbst des letzten Jahres wurde deshalb die Umsetzung des von der Verwaltung entwickelten Konzeptes für die Förderung der Insektenvielfalt in Kreuztal von der Politik auf den Weg gebracht. Zielsetzung ist die Wiedergewinnung der Artenvielfalt auf öffentlichen Flächen. Zudem will die Stadt Kreuztal Vorbild sein und möglichst viele Menschen anregen, die naturnahe Gestaltung auf den eigenen Garten oder Lebensbereich zu übertragen und damit den Wert von naturnahem Siedlungsgrün erfahrbar zu machen.

Schwerpunkte des städtischen Konzeptes sind u.a. die Umwandlung städtischer Brachflächen in nachhaltige Grünflächen und damit einhergehend eine Reduzierung der Flächenpflege, Gewinnung von Partnern und Unterstützern, insbesondere Landwirte, aber auch Vereine, Imker und Privatpersonen sowie Artenschutzmaßnahmen durch Schaffung von Nisthilfen.

In Abhängigkeit vom Wetter konnte jetzt damit begonnen werden einige ungenutzte städtische Grundstücke in insektenfreundliche Grünflächen umzuwandeln.

Die Fläche neben dem Kaufland-Markt, welche die Hauptstraße vom verkehrsberuhigten Teil der Marburger Straße trennt, wurde gerodet und mit Staudenmischpflanzen neu bepflanzt. Diese für Bienen attraktiven mehrjährigen Blühpflanzen bieten dem summenden Insekt vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein ein umfangreiches Nahrungsangebot an Nektar und Pollen. Um den Tieren auch einen Winterschutz zu bieten, erfolgt der Rückschnitt der Pflanzen erst vor dem Neuaustrieb im nächsten Jahr.

Etwas von dieser Fläche entfernt, wurde der Lärmschutzhügel beim Busbahnhof im Bereich Kirchwiese komplett von Bewuchs befreit und anschließend eine regionale Blumensaatmischung eingearbeitet. Von etwa Mai bis Oktober werden dort kontinuierlich Wildpflanzen blühen, die besonders viel Nahrung und einen wertvollen Lebensraum bieten. Auch im Spätherbst und Winter wird der Blühstreifen einen großen Nutzen als Überwinterungsdomizil für Insekten haben, da keine Mäharbeiten durchgeführt werden.

In Kredenbach wurde eine Fläche am Kreisel mit einer sog. Mulchraupe mit Umkehrbodenfräse für die Samen vorbereitet. Weitere Grundstücke, z.B. im Bereich Goldregenweg / Ecke Blauregenweg in Ferndorf und Zum Burberg in Littfeld folgen, um auch dort Blumen- und Gräsersamen einbringen zu können. Einen weiteren Blühstreifen auf städtischem Grundstück wird es auf Initiative des Heimatvereins Littfeld-Burgholdinghausen entlang der Bushaltestelle Bruchseifen in Littfeld geben und die Böschung zwischen Marburger Straße und Dreslers Park wird ebenfalls zum Blühstreifen.

In Ergänzung all dieser Maßnahmen und um die Flächen für die Insekten noch attraktiver zu machen, werden Nisthilfen, sog. Insektenhotels, aufgestellt.

Bürgermeister Walter Kiß: „Alle diese Schritte können nur ein Anfang sein, um für die verschiedenen Insektenarten neuen zusätzlichen Lebensraum zu schaffen und damit einen wertvollen Beitrag zum Schutz dieser für das ökologische Gleichgewicht so wichtigen Tiere zu schaffen. Die sukzessive Umsetzung des Konzeptes kostet natürlich Manpower und auch Geld. Zunächst sind 8.000 Euro im städtischen Haushalt veranschlagt“.

Einbringung des Blumensamens

Einbringung des Blumensamens

In Ergänzung des Konzeptes wird im Rahmen des Bauern- und Naturmarktes am 19. Mai von der städtischen Umweltberatung das Thema „vielfältiger Garten“ aufgegriffen. Es gibt zahlreiche Informationen und Aktionen, wie aus einer tristen, monotonen und vermeintlich pflegeleichten Steingartenwüste eine naturnahe und vielfältige Wohlfühloase für Insekten geschaffen werden kann. Zudem wird es unter dem Motto „Kreuztals schönste Gärten“ einen Fotowettbewerb geben.

Bei Fragen zum Konzept für die Förderung der Insektenvielfalt oder auch anderen umweltrelevanten Themen können Interessierte die städtische Umweltberatung kontaktieren: Antje Hoffmann, Tel.: 02732 51-352, E-Mail: .
Viele Informationen gibt es auch auf der Homepage der Stadt Kreuztal: www.kreuztal.de/umwelt-und-abfall/