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Sonntag, 14.04.2019

"Luisa ist hier" in Kreuztaler Lokalitäten

Sie zeigen das beispielsweise in ihren Geschäftsräumen durch Plakate in der Nähe von Kasse und Tresen, im Außenbereich gleich neben der Speisekarte im Schaukasten und in den Sanitärräumen – im Kuhstall sogar auch auf der Herrentoilette.
Mit den Plakaten und Infomaterialien weisen sie darauf hin, dass ausgehen, flirten und feiern Spaß machen soll, dass aber sexuelle Belästigung nicht geduldet wird.
Dennis Tigges (Palm Beach) positioniert sich hierzu sehr deutlich: „Sexuelle Gewalt hat hier keinen Raum. Türsteher sorgen je nach Veranstaltung für Sicherheit - Luisa ist zusätzlich.“

Als Gleichstellungsbeauftragte Monika Molkentin-Syring gemeinsam mit Ingrid Kurzeja von "Frauen helfen Frauen" aus Siegen das Projekt nach Kreuztal holte, kam vom Ordnungsamt der Stadt Kreuztal durch Louisa Pötz flankierende Begleitung. Und nicht nur Gastronomen waren daran interessiert aktiv teilzuhaben, sondern als Novum auch das DRK und die Feuerwehr. Außerdem unterstützt die Polizei „Luisa“ z.B. durch Kriminalhauptkommissarin Susanne Otto als Ansprechpartnerin für polizeiliche Fragen.

Der aktuellen April-Einladung zu einem Treffen mit den neu hinzugekommenen Kreuztaler Gastronomen sind interessierte und engagierte Vertreterinnen und ein Vertreter der Kommunalpolitik sowie Annette Meier (DRK), und Ralf Meier als Leiter der DRK-Ortsgruppe Kreuztal gefolgt. Bei der Besichtigung der Veranstaltungsräume und den intensiven Nachfragen aus der Kommunalpolitik kam im Tanzraum der Diskothek Palm Beach so manche persönliche Erinnerung hoch, wenn an die Vergangenheit gedacht wurde.
Seit Jahren allerdings machen gesellschaftliche Entwicklungen, menschliches Verhalten sowie ärztliche, polizeiliche und ehrenamtliche (z.B. DRK) Wissens- und Erlebenserkenntnisse es leider notwendig, deutlich mehr präventiv denken und dann auch handeln zu müssen. Rudolf und Dennis Tigges berichteten hierzu aus dem mittlerweile 40-jährigen Erfahrungsschatz ebenso wie Ralf Meier als aktiver Einsatzleiter der DRK-Ortsgruppe Kreuztal.

Ausführlich stellte Ingrid Kurzeja die Entstehung des Projektes „Luisa ist hier!“ vor. Dazu erläuterte sie das Vorgehen bei der Schulung der Beschäftigten in den Gastronomiebetrieben und berichtete über sexualisierte Gewalt in vielen Lebensbereichen, die überwiegend Frauen und Mädchen betrifft. KO-Tropfen kommen immer häufiger zum Einsatz, sind aber nur kurzzeitig nachweisbar. Und auch zunehmendes Cybermobbing greift Raum, z.B. über den Einsatz der allzeit verfügbaren Handys.
Damit Mädchen und Frauen sich in öffentlichen Räumen sicher fühlen können, ist „Luisa“ als Codewort zu nutzen. Bei Aufdringlichkeiten durch andere Gäste können sie von einem verantwortungs- und rücksichtsvollen Umgang mit ihrem Anliegen ausgehen. Sichere Rückzugsmöglichkeiten werden ermöglicht ohne ausgefragt zu werden und ohne Schuldzuweisungen zusätzlich aushalten zu müssen.

Bisher reagieren sowohl weibliche als auch männliche Gäste, die in den Gastronomiebetrieben verkehren, erfreulich positiv auf die Aktion der Gewerbetreibenden. Immer wieder kommt es zu Gesprächen über die Plakate und die Aktion dahinter.

Sowohl der „Kuhstall“ als auch das Cafè Basico sind keine klassischen Orte, an denen es häufig zu Belästigungen kommt, sagen Nico Born (Kuhstall) und Eva und Klaus Vetter (Café Basico). Sie nehmen hier in ihren Unternehmen bewusst das Thema auf, weil die Aktion super ist. Eva Vetter: „Es ist richtig gut, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen.“ Klaus Vetter: „Das Bewusstsein aller wird geschärft - für alle Nationalitäten, für alle Professionen und alle sexuellen Orientierungen. Wir wollen sauber bleiben und respektvoll im Miteinander.“
Als Kultur-, Bildungs- und Seminarzentrum hat das Café Basico kein klassisches Nachtgeschäft. Doch lernen die Menschen hier den Umgang mit Nähe und Distanz. Tango und Salsa, die hier auch in Kursen vermittelt werden, benötigen körperliche Nähe beim Tanzen und gleichermaßen Distanz. Sehr früh merken hier die Tänzerinnen und Tänzer, wenn beim Tanzen eine Grenze überschritten und Abgrenzung erforderlich wird.
Klaus Vetter: „Cowboy- und Mackertypen passen sich sehr schnell an – entweder sie entspannen sich und haben große Freude in der wachsenden Gesellschaft der Tango- und Salsa-Szene oder sie kommen nicht wieder.“ Paare und Einzelpersonen können hier höchsten Respekt erwarten, denn die Verantwortlichen auf allen Ebenen ziehen an einem Strang.

Sehr erfreulich ist, dass der Restaurantbetrieb „Kuhstall“, der in Sichtweite gegenüber dem Bahnhof gelegen ist, direkt neben der Speisekarte ein Luisa-Plakat in den Außenschaukasten gehängt hat. So können nicht nur eigene Gäste sondern auch Reisende sicher sein, dass sie hier während der Öffnungszeiten bei Belästigung schnell und unkompliziert Hilfe erhalten. Erst kürzlich ist es vorgekommen, dass eine junge Frau Hilfe benötigt hat, weil der Begleiter massiv übergriffig wurde. Hier musste sogar die Polizei eingeschaltet werden.

Louisa Pötz, Ordnungsamt: „Wir in Kreuztal legen großen Wert darauf, dass sich Besucherinnen und Besucher in unseren Gaststätten gut und vor allem sicher fühlen. Aus diesem Grund unterstützen wir dieses Projekt und freuen uns, dass einige Gastronomiebetriebe bereits Teil von „Luisa“ sind.“

Bei der interessanten Diskussion auf der Tanzfläche des Palm Beach wurde von Elfrun Bernshausen (SPD) noch eine Kreuztaler Erweiterung von „Luisa ist hier!“ vorgeschlagen:
Bedenkenswert sei auch der „Luisa“-Material Einsatz und die folgende Sensibilisierung in den Freibädern und in den Jugendeinrichtungen der Stadt Kreuztal. Dass dies ein guter Vorschlag ist, darüber waren sich alle Anwesenden einig.

Zurzeit wird Luisa in über 40 Städten in der BRD, der Schweiz und Österreich umgesetzt. Hier in unserer Region nehmen 24 Lokale an der Aktion teil. Fast alle sind auf der Internetseite „Luisa-ist-hier.de“ aufgeführt. Interessierte können sich gerne an die Frauenberatungsstelle Siegen wenden Telefon 0271 – 21887 oder .