Gleichstellungsarbeit & Chancengleichheit im Berufsbildungszentrum (bbz)

Freitag, 01.06.2018

Zum dritten Mal konnte sich Monika Molkentin-Syring, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Kreuztal, mit geflüchteten Menschen unterschiedlicher Herkunft über Gleichstellung und Chancengleichheit zum Einstieg ins deutsche Berufsleben und auch zu privaten Themen austauschen.

Mittlerweile werden im bbz nicht nur metalltechnische Qualifizierungen angeboten, sondern auch andere Berufsbereiche wie: Einzelhandel, Gastronomie, Pflege, Bau, Lager und Logis tik, so dass die 18 Teilnehmenden zwischen 18 und 36 Jahren aus Afghanistan, der Mongo lei, Bangladesch, Sri Lanka, Guinea, Ghana, Tadschikistan, Syrien und zwei Frauen aus Aserbaidschan über ihre Motivation nach Deutschland zu kommen und auch über ihre unter schiedlichen beruflichen und privaten Ziele in der Zukunft erzählen konnten.

Eine ausgebildete Lehrerin für Englisch und Italienisch, mit weiteren Sprachkenntnissen in Türkisch, Russisch und Deutsch, ist mit ihrem Mann, der Economist der Bauwirtschaft ist, und zwei Kindern vor neun Monaten nach Deutschland gekommen. Sie möchte einen Aus-bildungs- oder Arbeitsplatz finden als Kauffrau, Lehrerin oder auch als Übersetzerin. Sprach lich ist sie bereits bestens vorbereitet.
Eine ausgebildete Frisörin ist mit ihrer Familie seit 16 Monaten in Deutschland. Sie möchte gerne in einem großen Salon arbeiten. Ihr Sohn hat schon einen Ausbildungsplatz als Elekt riker in einer Kreuztaler Firma.

Nicht alle Teilnehmer verfügen bereits über einen Ausbildungsberuf wie wir ihn hier verste hen, manche Männer mussten schon als Kind Geld verdienen z.B. als Schweißer, Maurer, Fliesenleger, Zimmermann. Sie haben einfach angefangen und das gemacht, was man ihnen gesagt hat. Manche waren schon als Jugendliche Arbeitsemigranten. Ein Afghane musste als Jugendlicher im Iran hart arbeiten.
Alle Männer möchten in der Metalltechnik z.B. als Schweißer oder in der Holztechnik als Schreiner oder Zimmermann arbeiten.

Während die beiden Frauen mit Familie angekommen sind, sind die jungen Männer meist alleine hier.
Die Berichte aus einigen Heimatländern gleichen sich: es gibt arrangierte Ehen, Frauen dür fen nach der Hochzeit nicht mehr arbeiten, Kopfbedeckungen sind üblich. Hier und da kommt es zu kleinen Freiheiten – z.B. bei der Partnerwahl.

Das große Maß an Freiheit, das die Geflüchteten hier in Deutschland vorgefunden haben, stellt sie durchaus auch vor große Herausforderungen. Manches ist nicht kompatibel mit ihrer Religion oder den bisher erlernten und gelebten Wertevorstellungen. Während die Männer von den gewonnenen Freiheiten eher profitieren, haben überwiegend die Frauen weiterhin strengere Regeln einzuhalten. Darauf achten männliche Familienmitglieder und oft auch die Mütter.

Ein junger Mann aus Afghanistan hob hervor, dass das freiheitliche Denken und Handeln manchmal auch zu einem „Freiheitsschock“ führt. Grundsätzlich findet er die Menschen in Deutschland sehr freundlich, denn er ist hier in der Region sehr gut aufgenommen worden.

Ute Joachimczak als Betreuerin des bbz war begeistert über die weitreichenden Berichte der stark alters- und herkunftsgemischten bbz-Schülerinnen und Schüler.„Diese sehr persönlichen Gespräche führen zu einem anderen Zugang der Geflüchteten unter- und zueinander. So offen erzählen sie sonst nicht über ihr Leben im Heimatland und ihre Zukunftswünsche in Deutschland“, meint Ute Joachimczak.

Allerdings ist die gelebte Gleichstellung und Gleichbehandlung von Frau und Mann bei man chen sicher noch nicht vorstellbar. Erlebbar ist, dass das bbz mit diesem Projekt nicht nur die berufliche Integration von Asylsuchenden vorbildlich durchführt, sondern die menschliche miteinbezieht.